Bündnis Deutschland bloggtEnergie & Umwelt

von Marco Groh

Benzinpreise von über 2,00 Euro an den Tankstellen. Da ist es nur verständlich, dass viele Bürger den Staat auffordern, auf diesen Preis einzuwirken. Andere halten dagegen, sprechen von temporären Effekten, der Neutralität des Staates bei der Preisbildung und halten gerade wegen des Klimaschutzes an den hohen Steuerbelastungen fest. Doch wie sieht es insgesamt für unsere Volkswirtschaft aus?

Anmerkung: Per 08.03.2026 liegen die Preise im Durchschnitt bei 1,97 € für E10 und 2,10 € für Diesel (Quelle: Tankstellenpreise.de)

Energie ist das Blut eines Industrielandes. Verteuert sich Energie, so verteuern sich alle Folgeprodukte und eine Spirale setzt sich in Gang, die schwer wieder aufzufangen ist. Dabei ist es staatlicherseits einfach, mäßigend auf den Preis einzuwirken, ohne die Marktwirtschaft außer Kraft zu setzen. Tatsächlich fließen über 50% des Preises nämlich ins Steuerbeutelchen. Ein Grund für den nun aufkommenden Tankstellen-Tourismus zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern. Man muss also gar nicht, wie seinerzeit beim Gas, eine staatlich verordnete Bremse einbauen. So fließen bei einem Dieselpreis von 1,65 € 47,0 ct. als Energiesteuer, 14,6 ct. als CO2-Abgabe und 26,3 ct. als Mehrwertsteuer in die staatlichen Kassen. Eine Reduzierung der Energiesteuer um 2/3 würde den drastischen Preisanstieg in Folge des Iran-Krieges also fast kompensieren.

Darstellung: https://www.bft.de/themen-markt-statistiken/daten-studien-berichte/zusammensetzung-der-benzin-und-dieselpreise-in-deutschland

Warum ist die Reduzierung der Abgabenlast auf die Energieträger notwendig?

Tatsächlich sind die Kosten für Energie in jedem Produkt, das wir kaufen, enthalten. Sehr deutlich wurde dies zu Beginn des Ukraine-Krieges, als Deutschland sich von russischem Gas verabschiedet hatte (s. Grafik „Verbraucherpreisindex, Gesamtindex“). So stieg die Inflation in Deutschland auf fast 9% p.a. Wie damals droht also wieder eine deutliche steigende Inflation, Reallohnverlust für die Bürger und der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit von in Deutschland produzierenden Industrieunternehmen.

Was hierbei jedoch noch nicht bedacht ist: Die Spirale, die diese Inflation antreibt. Die Europäische Zentralbank betreibt ihre Zinspolitik (leider) auf Basis alter Dogmen. Ist die Inflation hoch, bedeutet dies, es ist zu viel Kaufkraft im Markt. Um dem entgegenzuwirken, muss man Anreize zum Konsumverzicht setzen, sprich: die Zinsen erhöhen. Diese Erhöhung der Zinsen sind jetzt aber nicht nur ein zusätzlicher Kostenblock für viele Verbraucher (und ja, für Anleger eine mögliche Einnahmequelle). Sie verteuern auch die Kosten des Staates, der einen Schuldenstand von rd. 2,6 Billionen Euro aufweist (Quelle: bundeshaushalt.de). Es braucht keine große Phantasie, um zu erkennen, in welche Lage viele Kommunen bei steigenden Zinsen kommen. Noch erschreckender ist jedoch die Wirkung auf die deutsche Industrie. Müssen sie einerseits die steigenden Energiekosten versuchen zu kompensieren oder – wo möglich – über Preiserhöhungen weiterzugeben, haben sie aufgrund der Inflation mit steigenden Lohnforderungen und aufgrund der Zinsen zusätzlich mit höheren Kapitalkosten zu rechnen. Der Effekt, den die aktuelle Bundesregierung mit ihren Investitionsmaßnahmen versucht zu erreichen, verpufft durch die Spirale aus Energieverteuerung, Lohn- und Zinskosten vollständig.

Geht man davon aus, dass die Preisentwicklung nur vorübergehender Natur und zum Teil auch von Spekulanten/ Hedgefonds getrieben ist, so ist eine Senkung der Abgaben auf Energieträger ein wirksames Mittel, dem Knock-Out Deutschlands entgegenzuwirken und die Preiswirkung des Iran-Krieges abzufedern. Selbst, wenn die Preiseffekte längerfristig bestehen bleiben sollten, so könnte der plötzliche Preisauftrieb zeitlich gestreckt und die Wirkung auf die Inflationsrate somit reduziert werden.